Wie kommt Weihnachts-, oder zumindest Adventsstimmung auf, bei anhaltendem Regenwetter, Herbsttemperaturen und 12 Stunden Tageslicht am Tag? Zunächst einmal natürlich gar nicht. Fotos vom ersten Schnee und Wintereinbruch in Deutschland können den fehlenden Weihnachtsmarkt einfach nicht aufwiegen und erscheinen höchstens wie Postkarten aus irgendeinem exotischen Land. Auch die nur ein paar Straßen entfernte Dekomeile, die schon seit Wochen, genaugenommen seitdem die Halloweensachen verschwunden sind, in buntflackernden Lichterketten, Plastik-Tannenzweigen, tanzenden Weihnachtsmännern, glitzernden Christbaumkugeln und sonstigem Kitsch versinkt, konnte mich irgendwie nicht ganz überzeugen. Anfang Dezember war ich daher fast sicher, dass Weihnachten dieses Jahr wohl wieder ohne mich stattfinden würde, schon 2007 in Ecuador hat es sich schließlich einfach nicht nach Weihnachten angefühlt.
Ein kleiner Lichtblick kam dann ganz unerwartet am Vorabend meiner letzten Klausur, am 1. Dezember, als ein Freund mich zur Einweihung der Weihnachtsbeleuchtung auf den Monserrate einlud. Der Monserrate ist sozusagen der Hausberg Bogotas, mit einer Seilbahn oder einer Standseilbahn (super Übersetzung, ich weiß, aber ich weiß nich wie das auf Deutsch heißt…) gelangt man auf den 3150 Meter hohen Gipfel, von wo aus man eine super Aussicht über Bogota hat (wenn nicht gerade wie in 95% der Fälle alles wolkenverhangen und neblig ist) und wo eine kleine Kapelle steht. In dieser Kapelle fand an diesem Tag das “Einweihungskonzert” der Weihnachtsbeleuchtung statt. Wie immer kamen wir leicht zu spät, und fanden nur noch einen Platz in einer der Reihen von Plastikstühlen außerhalb der Kapelle, mit Blick auf die Videoleinwand mit Live-Übertragung aus der Kapelle. In 3150m abends um 19 Uhr ist es reichlich kalt, und während meine Finger langsam aber sicher zu Eis wurden, und die “Filarmonica de Bogota” Händel und Vivaldi zum Besten gab, sprang langsam aber sicher ein Funke deutscher Adventsstimmung über. Die Kolumbianer fanden Händels Feuerwerksmusik zwar nicht so mitreißend und sahen leicht gelangweilt aus, ist ja auch nicht soooo das reinste Entertainment, ich fands aber ziemlich besinnlich – Ziel erreicht. Nach dem Konzert, was mit einem Weihnachtsliedermedley inklusive Jingle Bells und Stille Nacht endete, gabs ein nettes Feuerwerk, einen Becher canelazo (eine Art Kräutertee mit Zimt und einem Schuss Alkohol), und die Beleuchtung wurde angeschaltet .
Damit das bisschen Adventsstimmung nicht gleich wieder verfliegen konnte und Nikolaus nicht so ganz still und leise vorbeigeht, habe ich am Montag dann gleich das nächste “Event” organisiert: Zunächst Dekoshoppen auf der Kitschmeile: einen Kerzenständer, 4 Kerzen und eine Tannenzweig-Plastikgirlande, aus denen ich dann einen wunderhübschen Adventskranz gebastelt habe. Danach gabs ein Festessen: Zum ersten Mal seit einem 5 Monaten hatte ich mir ein Glas völlig überteuertes Nutella gegönnt, das wir dann zu selbstgemachten Crepes genossen haben, und auch Glühwein habe ich gelernt, kann man wunderbar selbst machen!
Damit es auch nicht zu sehr deutsch bleibt, ging es dienstags gleich mit kolumbianischen WEihnachtsfeierlichkeiten weiter. Die Nacht vom 7. auf den 8. Dezember ist in Kolumbien die “noche de las velitas”, die Kerzennacht, wo im ganzen Land überall Kerzen und sonstige Beleuchtung die Nacht erhellen. Der 8. Dezember ist dann Feiertag, einer der wenigen Feiertage, der in Kolumbien nicht auf den nächsten montag geschoben wird, sondern auf den Tag genau gefeiert wird. An diesem Tag fängthier in Kolumbien offiziell die “Weihnachtszeit” an. In Deutschland würde man wohl korrekterweise Adventszeit oder Vorweihnachtszeit sagen, aber hier nimmt man das nicht so genau. Auch die Weihnachtsbäume sind spätestens an diesem Tag überall voll aufgebaut und dekoriert. Ich habe meine Freunde, mit denen ich zusammen diese bedeutsame Nacht gefeiert habe, gefragt, was es denn damit eigentlich auf sich hat und was man an dem Tag denn feiert, leider konnte mir das niemand so genau sagen, die konkreteste Antwort war, dass das wohl irgendwas mit den Heiligen Drei Königen zu tun habe. Nach ein bisschen Recherche im Internet habe ich rausgefunden, dass das rein gar nichts mit den Heiligen Drei Königen zu tun hat, sondern der 8. 12. schlicht und einfach offiziell “Inmaculada Concepcion” heißt, der “Tag der unbefleckten Empfängnis” also, von dem man ja sogar in Deutschland schonmal gehört hat. Was das jetzt wiederum mit den Kerzen und Laternen zu tun hat hab ich noch nicht rausgefunden, aber es geht ja schließlich einfach um die Tradition, und inoffiziell ist es einfach der Tag bzw. die Nacht der Kerzen. Für diesen besonderen Tag haben wir uns deshalb auch ein ganz besonderes Ziel ausgesucht: Villa de Leyva, einen Kolonialort 3 Stunden von Bogota entfernt, inmitten malerischer grüner Hügel, wo an diesem Abend das größte Spektakel des Landes stattfinden sollte, inklusive Feuerwerk.Wie immer wenn man mit Kolumbianern unterwegs ist, war alles recht spontan, wir sind viel zu spät losgefahren, in Tunja, wo wir einen Freund eingesammelt haben, wurde dann um 7 uhr abends erstmal ein Zelt von irgendeinem Bekannten organisiert, was dann noch im nächsten Dörfchen abgeholt werden musste, als wir das dann endlich hatten stürzte sich halb Tunja auf den letzten BUs, der an diesem Abend nach Villa de Leyva fahren würde, aber wie immer geht doch alles irgendwie immer gut. In Villa de Leyva fanden wir sogar, ohne irgendeinen Plan zu haben, das Campingareal, und dank meiner jahrelangen Campingerfahrung konnten komplizierte Probleme wie “Wofür sind denn diese komischen HAken da?” auch schnell gelöst und das Zelt sogar aufgebaut werden
Das Spektakel auf der Plaza MAyor, dem größten Platz in Kolumbien, inmitten weiß getünchter Häuser, war dann auch wirklich beeindruckend, alles voller Leute und Kerzen, die mit ein bisschen Wachs auf dem Kopfsteinpflaster befestigt wurden, und eineffektvolles, spektakuläres Feuerwerk, nicht nur mit Raketen wie wir es gewöhnt sind, sondern auch mit sogenannten “castillos”, Konstruktionen mit Feuerwerkskörpern die sich drehen etc, eben nur ohne hochgeschossen zu werden. Die Nacht war wirklich schön, wie es sich in Kolumbien gehört mit Fiesta bis tief in die Nacht im ganzen Dorf. Am nächsten Tag stand noch ein Ausflug zur “Periquera”, eine Art Park mit Wasserfällen auf dem Programm, der in einer mehr oder weniger unfreiwilligen “Rückwanderung” endete, da der Sammeltaxifahrer uns nicht wieder für den gleichen Preis wie auf dem Hinweg wieder abholen wollteund wir uns weigerten, das DOppelte zu zahlen. Fast wären wir deshalb nicht wieder zurückgekommen, weil wir um halb sieben, als es schon stockdunkel war, immer noch nicht angekommen waren und die Einheimischen uns mitteilten, dass es von hier aus noch so ca. 2 Stunden Fußmarsch seien. Beinah hätten wir unser Zelt gleich noch einmal am Wegrand aufgeschlagen, obwohl wir keinen Tropfen Wasser und keinerlei Proviant dabeihatte, Gott sei Danke fuhr in diesem Moment dann doch noch ein Bus vorbei der uns zurück nach Villa de Leyva brachte. Insgesamt war es mal wieder ein kleines Abenteuer, ganz nach meinem Geschmack und wunderschön, weil ich feststellte, dass das Departamento Boyaca landschaftlich ziemliche Ähnlichkeit mit Ecuador aufweist , mit grünen Wiesen, Eukalyptuswäldern und Bergen.
Jetzt gehts immer weiter auf Weihnachten zu, ich sitze mit einer Tasse Tee auf unserem Sofa in Bogota und plane, wie ich eben diese WEihnachtszeit verbringen werde. Da mir Boyaca so gut gefallen hat, und die Freunde, mit denen ich unterwegs war, alle dorther kommen, werde ich wohl auch WEihnachten, Neujahr und meinen Geburtstag dort verbringen. Praktischerweise fangen genau an meinem Geburtstag nämlich dort auch die “Fiestas de Duitama” an, und ich kann mir keine bessere Geburtstagsparty vorstellen als Fiestas in einer kleinen kolumbianischen Stadt. Zwischendrin werden wir immer mal wieder kleinere Reisen und Ausflüge unternehmen, und evtl. werden wir auch ein paar Tage eine größere Trekkingtour in der “Sierra Nevada del Cocuy”, einem der schönsten Bergmassive Südamerikas (laut REiseführer) unternehmen. Unter der Bedingung, dass wir Equipment, Bergführer etc. finanziell und organisatorisch auf die Reihe kriegen, was ich momentan noch bezweifel
. Hier auf jeden Fall ein paar fotos zum Neidisch machen: http://cocuy108.blogspot.com/

























































































