¿¡Es weihnachtet!?

12 12 2010

Wie kommt Weihnachts-, oder zumindest Adventsstimmung auf, bei anhaltendem Regenwetter, Herbsttemperaturen und 12 Stunden Tageslicht am Tag?  Zunächst einmal natürlich gar nicht. Fotos vom ersten Schnee und Wintereinbruch in Deutschland können den fehlenden Weihnachtsmarkt einfach nicht aufwiegen und erscheinen höchstens wie Postkarten aus irgendeinem exotischen Land. Auch die nur ein paar Straßen entfernte Dekomeile, die schon seit Wochen, genaugenommen seitdem die Halloweensachen verschwunden sind,  in buntflackernden Lichterketten, Plastik-Tannenzweigen, tanzenden Weihnachtsmännern,  glitzernden Christbaumkugeln und sonstigem Kitsch versinkt, konnte mich irgendwie nicht ganz überzeugen. Anfang Dezember war ich daher fast sicher, dass Weihnachten dieses Jahr wohl wieder ohne mich stattfinden würde, schon 2007 in Ecuador hat es sich schließlich einfach nicht nach Weihnachten angefühlt.

Ein kleiner Lichtblick  kam dann ganz unerwartet am Vorabend meiner letzten Klausur, am 1. Dezember, als ein Freund mich zur Einweihung der Weihnachtsbeleuchtung auf den Monserrate einlud. Der Monserrate ist sozusagen der Hausberg Bogotas, mit einer Seilbahn oder einer Standseilbahn (super Übersetzung, ich weiß, aber ich weiß nich wie das auf Deutsch heißt…) gelangt man auf den 3150 Meter hohen Gipfel, von wo aus man eine super Aussicht über Bogota hat (wenn nicht gerade wie in 95% der Fälle alles wolkenverhangen und neblig ist) und wo eine kleine Kapelle steht. In dieser Kapelle fand an diesem Tag das „Einweihungskonzert“ der Weihnachtsbeleuchtung statt.  Wie immer kamen wir leicht zu spät, und fanden nur noch einen Platz in einer der Reihen von Plastikstühlen außerhalb der Kapelle, mit Blick auf die Videoleinwand mit Live-Übertragung aus der Kapelle. In 3150m abends um 19 Uhr ist es reichlich kalt, und während meine Finger langsam aber sicher zu Eis wurden, und die „Filarmonica de Bogota“ Händel und Vivaldi zum Besten gab, sprang  langsam aber sicher ein Funke deutscher Adventsstimmung über.  Die Kolumbianer fanden Händels Feuerwerksmusik zwar nicht so mitreißend und sahen leicht gelangweilt aus, ist ja auch nicht soooo das reinste Entertainment, ich fands aber ziemlich besinnlich – Ziel erreicht. Nach dem Konzert, was mit einem Weihnachtsliedermedley  inklusive Jingle Bells und Stille Nacht endete, gabs ein nettes Feuerwerk, einen Becher canelazo (eine Art Kräutertee mit Zimt und einem Schuss Alkohol),  und die Beleuchtung wurde angeschaltet .

Damit das bisschen Adventsstimmung nicht gleich wieder verfliegen konnte und Nikolaus nicht so ganz still und leise vorbeigeht, habe ich am Montag dann gleich das nächste „Event“ organisiert:  Zunächst Dekoshoppen auf der Kitschmeile: einen Kerzenständer, 4 Kerzen und eine Tannenzweig-Plastikgirlande, aus denen ich dann einen wunderhübschen Adventskranz gebastelt habe.  Danach gabs ein Festessen: Zum ersten Mal seit einem 5 Monaten hatte ich mir ein Glas völlig überteuertes Nutella gegönnt, das wir dann zu selbstgemachten Crepes genossen haben, und auch Glühwein habe ich gelernt, kann man wunderbar selbst machen!

Damit es auch nicht zu sehr deutsch bleibt, ging es dienstags gleich mit kolumbianischen WEihnachtsfeierlichkeiten weiter. Die Nacht vom 7. auf den 8. Dezember ist in Kolumbien die „noche de las velitas“, die Kerzennacht, wo im ganzen Land überall Kerzen und sonstige Beleuchtung die Nacht erhellen. Der 8. Dezember ist dann Feiertag, einer der wenigen Feiertage, der in Kolumbien nicht auf den nächsten montag geschoben wird, sondern auf den Tag genau gefeiert wird.  An diesem Tag fängthier in Kolumbien  offiziell die „Weihnachtszeit“ an. In Deutschland würde man wohl korrekterweise Adventszeit oder Vorweihnachtszeit sagen, aber hier nimmt man das nicht so genau. Auch  die Weihnachtsbäume sind spätestens an diesem Tag überall voll aufgebaut und dekoriert.  Ich habe meine Freunde, mit denen ich zusammen diese bedeutsame Nacht gefeiert habe, gefragt, was es denn damit eigentlich auf sich hat und was man an dem Tag denn feiert,  leider konnte mir das niemand so genau sagen, die konkreteste Antwort war, dass das wohl irgendwas mit den Heiligen Drei Königen zu tun habe.  Nach ein bisschen Recherche im Internet habe ich rausgefunden, dass das rein gar nichts mit den Heiligen Drei Königen zu tun hat, sondern der 8. 12. schlicht und einfach offiziell „Inmaculada Concepcion“ heißt, der „Tag der unbefleckten Empfängnis“ also, von dem man ja sogar in Deutschland schonmal gehört hat. Was das jetzt wiederum mit den Kerzen und Laternen zu tun hat hab ich noch nicht rausgefunden, aber es geht ja schließlich einfach um die Tradition, und inoffiziell ist es einfach der Tag bzw. die Nacht der Kerzen. Für diesen besonderen Tag haben wir uns deshalb auch ein ganz besonderes Ziel ausgesucht: Villa de Leyva, einen Kolonialort 3 Stunden von Bogota entfernt, inmitten malerischer grüner Hügel, wo an diesem Abend das größte Spektakel des Landes stattfinden sollte, inklusive Feuerwerk.Wie immer wenn man mit Kolumbianern unterwegs ist, war alles recht spontan, wir sind viel zu spät losgefahren, in Tunja, wo wir einen Freund eingesammelt haben, wurde dann um 7 uhr abends erstmal ein Zelt von irgendeinem Bekannten organisiert, was dann noch im nächsten Dörfchen abgeholt werden musste, als wir das dann endlich hatten stürzte sich halb Tunja auf den letzten BUs, der an diesem Abend nach Villa de Leyva fahren würde, aber wie immer geht doch alles irgendwie immer gut. In Villa de Leyva fanden wir sogar, ohne irgendeinen Plan zu haben, das Campingareal, und dank meiner jahrelangen Campingerfahrung konnten komplizierte Probleme wie „Wofür sind denn diese komischen HAken da?“ auch schnell gelöst und das Zelt sogar aufgebaut werden 🙂 Das Spektakel auf der Plaza MAyor, dem größten Platz in Kolumbien, inmitten weiß getünchter Häuser, war dann auch wirklich beeindruckend, alles voller Leute und Kerzen, die mit ein bisschen Wachs auf dem Kopfsteinpflaster befestigt wurden,  und eineffektvolles, spektakuläres Feuerwerk, nicht nur mit Raketen wie wir es gewöhnt sind, sondern auch mit sogenannten „castillos“, Konstruktionen mit Feuerwerkskörpern die sich drehen etc, eben nur ohne hochgeschossen zu werden.  Die Nacht war wirklich schön, wie es sich in Kolumbien gehört mit Fiesta bis tief in die Nacht im ganzen Dorf. Am nächsten Tag stand noch ein Ausflug zur „Periquera“, eine Art Park mit Wasserfällen auf dem Programm, der in einer mehr oder weniger unfreiwilligen „Rückwanderung“ endete, da der Sammeltaxifahrer uns nicht wieder für den gleichen Preis wie auf dem Hinweg wieder abholen wollteund wir uns  weigerten, das DOppelte zu zahlen. Fast wären wir deshalb nicht wieder zurückgekommen, weil wir um halb sieben, als es schon stockdunkel war, immer noch nicht angekommen waren und die Einheimischen uns mitteilten, dass es von hier aus noch so ca. 2 Stunden Fußmarsch seien. Beinah hätten wir unser Zelt gleich noch einmal am Wegrand aufgeschlagen, obwohl wir keinen Tropfen Wasser und keinerlei Proviant dabeihatte, Gott sei Danke fuhr in diesem Moment dann doch noch ein Bus vorbei der uns zurück nach Villa de Leyva brachte.  Insgesamt war es mal wieder ein kleines Abenteuer, ganz nach meinem Geschmack und wunderschön, weil ich feststellte, dass das Departamento Boyaca landschaftlich ziemliche Ähnlichkeit mit Ecuador aufweist , mit grünen Wiesen, Eukalyptuswäldern und Bergen.

Jetzt gehts immer weiter auf Weihnachten zu, ich sitze mit einer Tasse Tee auf unserem Sofa in Bogota und plane, wie ich eben diese WEihnachtszeit verbringen werde. Da mir Boyaca so gut gefallen hat, und die Freunde, mit denen ich unterwegs war, alle dorther kommen, werde ich wohl auch WEihnachten, Neujahr und meinen Geburtstag dort verbringen. Praktischerweise fangen genau an meinem Geburtstag nämlich dort auch die „Fiestas de Duitama“ an, und ich kann mir keine bessere Geburtstagsparty vorstellen als Fiestas in einer kleinen kolumbianischen Stadt. Zwischendrin werden wir immer mal wieder kleinere Reisen und Ausflüge unternehmen, und evtl. werden wir auch ein paar Tage eine größere Trekkingtour in der „Sierra Nevada del Cocuy“, einem der schönsten Bergmassive Südamerikas (laut REiseführer) unternehmen. Unter der Bedingung, dass wir Equipment, Bergführer etc. finanziell und organisatorisch auf die Reihe kriegen, was ich momentan noch bezweifel :). Hier auf jeden Fall ein paar fotos zum Neidisch machen: http://cocuy108.blogspot.com/

 

 

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Salsa!

24 10 2010

Letzten Mittwoch hat bei uns in der Uni ein Tanzfestival stattgefunden, zu dem die ganzen „Repräsentiergruppen“ der anderen Unis in Bogotá eingeladen waren und natürlich unsere eigenen Salsa-, Tango- Hip-Hop- und sonstigen Gruppen aufgetretetn sind. Das ganze war natürlich wie immer wenn Kolumbianer tanzen ein ziemlich beeindruckendes Spektakel, hat viel Spaß gemacht, und ich wollte euch einfach einen kleinen Eindruck verschaffen, von dem, was Salsa in Kolumbien ist… Hier also ein Video: Leider klappt das direkt-einbetten nicht so ganz 😦

http://www.facebook.com/v/1546812363312

ah und wie immer bei einer solch weltbewegenden Veranstaltung darf natürlich das Nationalhymne-Singen am Anfang nicht fehlen:





Eine Woche Nostalgie

24 10 2010

Mitlerweile bin ich heil wieder in Kolumbien angekommen, mit ein paar mehr Stempeln mehr im Pass, vielen Stunden Busfahrt mehr auf dem Buckel und einer Woche schöner Ecuador-Erlebnisse mehr im Gedächtnis…

Von den Problemen bei der Hinreise habe ich ja bereits berichtet… Ansonsten gibts soviel auch eigentlich gar nicht zu erzählen. Mia und ich haben einfach die Zeit genossen und haben all das getan, was wir die ganze Zeit vermisst haben: Nächte durchgetanzt (zumindest bis um 2-3 Uhr alles dichtgemacht wurde… die erste Nacht sind wir deshalb gleich mal aus dem Hostal geflogen, weil wir nicht wussten, dass man bis 23 Uhr nach Hause kommen musste… haben uns dann lieber ein anderes hostal gesucht, wo das kein problem war!), nachmittage in der Eisdiele betrachtet und durch das große „schaufenster“ die Leute auf der Straße beobachtet, Marktshopping, Abdendessen für 1 Dollar auf dem Marktplatz, mit Kartoffeln, Reis, Nudeln, Ei, Gemüse, Hühnchen, und allem, was das Herz sonst noch begehrt, Freunde besucht, Schulen besucht und  Gastfamilien besucht.

Eigentlich stand auf unserem Plan auch eine Wanderung von Uksha aus zum „Gipfel“ des Bergs, wo Uksha draufliegt, dort oben soll es eine sehr schöne Lagune geben, und wir haben immer bereut, dass wir da nie hochgelaufen waren. EIgentlich wollte Mia dann mit mir zu meiner Gastfamilie, dort übernachteen und wir wollten am nächsten Morgen früh den Aufstieg beginnen. Leider hat ihre Gesundheit nicht ganz so mitgespielt, sie ist erstmal im Hotel geblieben und auch am nächsten Tag, da es ihr immer noch nicht besser ging, nicht nachgekommen… Da meine Gastfamilie auch beschäftigt war, habe ich mich alleine auf den Weg gemacht, nicht unbedingt mit dem Ziel bis ganz nach oben zu laufen, weil das alleine auch ein bissl gefährlich ist wenn man den Weg nicht kennt etc., aber zumindest wollte ich so hoch laufen wie ich konnte. Anfangs bin ich auch noch recht schnell vorwärts gekommen, durch die Gemeinde, durch einen kleinen Wald, ein ewig weites Hochebene-Feld wo hunderte von Schafen gehütet wurden, und dann wurde es langsam komplizierter. Auf der Höhe beginnt nämlich das bekannte Hochland-Gras zu wachsen, auf Kichwa „uksha“, deswegen der Name der Comunidad. Alles ist von Büscheln von diesem teils meterlangen, dicken  Grashalmen bedeckt, man sieht den Boden nicht mehr und dann wird es schwierig zu laufen. Wenn man auf ein Büschel tritt, also da wo das Gras aus der Erde wächst, ist wie eine Stufe im Boden, wenn man daneben tritt, fällt man in ein Loch. Dazu wurde der Hang immer steiler, die Sonne immer kräftiger und die Luft immer dünner, und ich kam nur noch vorwärts, indem ich mich an den Grashalmen von einem Büschel zum nächsten zog. Trotzdem war es unglaublich schön, mit einer Wahnsinnsaussicht auf die umliegenden Berge und Täler, irgendwann war ich so hoch, dass ich über die umliegenden Berge hinüberschauen und sogar den Cotopaxi, den zweithöchsten Vulkan Ecuadors, und die Ilinizas, zwei weitere schneebedeckte Gipfel, eigentlich hunderte Kilometer weit weg, am Horizont entdekcne konnte.

Eigentlich habe ich es dann doch dem Gefühl nach fast bis zur Lagune geschafft, es hätte vielleicht noch ne Stunde gefehlt, aber leider kam auf einmal eine dicke schwarze Wolke über den Gipfel gekrochen, die mir etwas Angstgemacht hat, da es erst am Tag vorher schwere Gewitter gegeben hatte.  da oben ausser dem Gras ja nichts mehr wächst, hätten die Blitze mich glatt als Zielscheibe verwenden können, und wenn die Wolken den Gipfel verhüllen, ist man dort oben verloren, weil man die Hand vor Augen nicht mehr sieht. Also habe ich doch den Rückweg angetreten, der fast noch anstrengender war als der Hinweg, weil ich merkte, dass ich schon müde war und mich nicht mehr an den Grasbüscheln hochziehen, sondern einfach nur runterstolpern konnte und ständig hingefallen bin. Trotzdem bin ich irgendwann wieder bei den SChafen angekommen, hab den Schafshirten ziemlich verwirrt (Wo kommst du her? Von oben, ich bin spazieren gegangen… Aber wo kommst du eigentlich her? Aus Deutschland… Was ich denn hier in dieser Wildnis so alleine zu suchen hätte???) Das man alleine und ohne Grund irgendeine Wanderung unternimmt, ist für die Meisten Ecuadorianer ziemlich unverständlich. Naja auf jeden FAll war es ein tolles Erlebnis, und immerhin haben Mia und ich, da wir ja immer noch nicht bei der Lagune waren, jetzt noch einen Grund, dass wir dringend nochmal zusammen oder zur gleichen Zeit nach Otavalo müssen.

Der Abschied von meiner Gastfamilie fiel mal wieder sehr schwer, ich musste mir die alten Sprüche anhören: Wir sperren dich in deinem Zimmer ein, „no te mandamos“, was soviel heißt wie wir schicken dich nicht im Sinne von wir erlauben dir nicht, zu gehen, ruf an, komm uns wieder besuchen. Letzteres hab ich gesagt, werde ich sicher irgendwann tun, auch wenn ich keine Ahnung hab, wann das sein wird. Macht nichts, sagt NElly, meine Gastschwester, hauptsache du kommst, und wenn es erst ist, wenn du schon alt und zahnlos bist 😛

Samstags hieß es dann auch schon wieder Abschied nehmen von Otavalo, die letzten Markteinkäufe, Bohnen und Erbse n von Mias Gastfamilie im Rucksack verstauen, das letzte Mal tanzen im Jampa, der letzte Maiskolben… alles viel zu traurig. Sonntags früh habe ich mich auf den Rückweg gemacht, alles lief wie immer ohne Probleme, von Ipiales habe ich nen Direktbus nach Bogota erwischt, und welch Zufall, war mein Sitznachbar ein netter Otavaleno mit dem ich mich die ganze Zeit gut unterhalten habe, und am Montag, den 11., war ich dann auch schon wieder in meiner Wohnung. Der Tag war dann mein absoluter Tiefpunkt, da ich erfahren musste, dass mein Laptop kaputt war, weil ich für ne Klausur lernen musste, SChlüssel nachmachen lassen gehen musste, da ich meine in Ecuador verloren hatte weil mir ein kleines Mäppchen mit Kleingeld und eben den Schlüssen geklaut worden war, und noch allen möglichen anderen unangenehmen Kleinigkeiten und Ärgernissen. Mittlerweile ist aber alles wieder in Ordnung, mir gehts bestens, die Uni stresst, ich versuche aber mich nich so stressen zu lassen, mache immer alles in letzter Minute damits in einer Minute fertig wird und mich mein Perfektionismus nicht Stunden kostet, und am Mittwoch gehts auch schon wieder auf die nächste Reise: für 5 Tage in die Karibik! wenn ich dann irgendwann mal wieder zeit oder keine lust zu lernen habe, wie jetzt grade, werde ich davon sicherlich berichten!

 





Lebenszeichen

2 10 2010

Hallo!

Ich habe lange nichts mehr geschrieben, die letzten Wochen hatte ich abwechselnd Uni- und Freizeitstress, Teilklausuren, Abgaben etc., eine Woche war ich im Dschungel, und jetzt bin ich in Ecuador- ausfuehrliche Berichte werden sicher folgen, wenn ich mal wieder ein bisschen Zeit habe. Da aber einige anscheinend in den Nachrichten von der Situation in Ecuador erfahren haben und sich ein bisschen Sorgen gemacht haben, wollte ich nur kurz Bescheid sagen, dass alles in Ordnung ist. Als am Donnerstag die Unruhen in Quito waren, war ich auf dem Weg nach Pasto in Suedkolumbien, und da sass ich dann bis Freitag mittag fest weil die Grenze geschlossen war und ich ausserdem natuerlich keine Infos hatte, wie die Lage in Otavalo ¡st. Nach Nachrichtenschauen, Internetrecherche und einigen Telefonaten am Freitag morgen habe ich dann doch beschlossen, mich auf den Weg zu machen. Otavalo ist ja nur 3 Stunden von der Grenze weg, durch Quito muss ich nicht durch, und in Otavalo hatte man groesstenteils ueberhaupt nicht mitgekriegt, dass ueberhaupt irgendwas passiert ist, ausser ein paar streikenden Polizisten. Abgesehen davon, dass an der Grenze ein paar mehr Polizisten als normal standen habe ich auch auf dem Weg nach Otavalo nichts auffaelliges bemerkt, und hier ist auch alles ruhig wie eh und je. Macht euch also keine Sorgen, mir gehts gut und ich geniesse es, hier zu sein und mit Mia wie in alten Zeiten ueber den Markt zu schlendern, in der Eisdiele zu sitzen oder das „Nachtleben“ zu geniessen.





Studieren auf kolumbianisch II

6 09 2010

Nachdem ihr schon wisst, was an der Universidad Nacional de Colombia so grundlegend anders ist als an der Uni Mannheim, kommt jetzt nach mittlerweile 4 Wochen Vorlesungen der zweite Teil, in dem ich euch ein bisschen an meinen Vorlesungen selbst teilhaben lassen möchte,denn auch die sind natürlich etwas anders als das, was ich in Mannheim sonst so mache.

Gabriel García Márquez

Als Romanistik-Student in Kolumbien kommt man natürlich nicht umhin, ein Seminar über diesen augenscheinlich wichtigsten kolumbianischen Schriftsteller zu besuchen. Von Anfang an wusste ich, dass das ein sehr schwieriges Seminar werden würde, da wir ungefähr jede Woche einen anderen Roman oder sonstigen Text von ihm besprechen würden. Und wer einmal ein Buch von ihm im Original, also auf Spanisch gelesen hat, weiß, dass selbst die Muttersprachler so ihre Probleme mit dem Verständnis haben, da der gute Mann Wörter benutzt, die die meisten noch nie gesehen haben und die zum Teil auch in keinem Wörterbuch stehen, sondern nur in seinem Heimatdorf Aracataca existieren, das für ihn die Vorlage für das berühmte Dorf Macondo aus 100 Jahre Einsamkeit und weiteren seiner Werke war.  Zusätzlich zu den ganzen Werken müssen wir jede Woche noch einen Sekundärtext darüber vorbereiten, die meist recht theoretisch und damit auch unglaublich schwer zu verstehen sind. hinzu kommt außerdem, dass die gesellschaftliche Problematik, die natürlich ein zentrales Thema seiner Bücher sind, einer deutschen Austauschstudentin nicht ganz so geläufig ist wie den meisten kolumbianischen Studenten. Trotz dieser ganzen Schwierigkeiten ist das Seminar unglaublich interessant. Ich kämpfe mich durch die Texte, versteh zwar beim Lesen nur die Hälfte, aber im Kurs komme ich dann meist doch ganz gut mit und viele Unklarheiten werden beseitigt. Die Dozentin dieses Kurses kommt aus Rumänien, was für mich den Vorteil hat, dass sie ebenfalls keine Muttersprachlerin ist, undsich  zwar sehr sehr gut und gewählt ausdrückt, auf der anderen Seite aber nicht so schnell redet wie die meistn anderen Professoren. Ein bisschen kurios ist für eine deutsche Romanistik-Studentin, die in Deutschland meist nur von Frauen umgeben ist, dass der Kurs fast nur aus Männern besteht. Und dass liegt soweit ich das beurrteilen kann, nicht daran, dass Kolumbien so machistisch ist, dass hier nur Männer studieren würden. Eigentlich habe ich den Eindruck, dass das Verhältnis insgesamt an der Uni recht ausgeglichen ist. Warum also hier mehr Männer Literatur studieren ist mir irgendwie ein Rätsel.

Colombia Contemporánea – Zeitgenössisches Kolumbien

Dieser Kurs ist ein bisschen merkwürdig. Dienstags  (um 7 Uhr morgens) ist eine große Ringvorlesung, bei der verschiedene Dozenten aus verschiedenen Fachbereichen (Geographie, Anthropologie, Soziale Arbeit und GEschichte) sowie diverse eingeladene Gäste über ein mehr oder weniger aktuelles Problem, wie das Schulsystem, Wirtschaft, bewaffneter Konflikt, indigene Völker etc. referieren. Jeder Fachbereich hat zusätzlich ein Seminar für seine Studenten. Das hatte uns am Anfang keiner gesagt, und so bin ich ohne es zu wissen in der Gruppe für „soziale Arbeit“ gelandet. Da die Studenten den Kurs im zweiten Semester besuchen und Kolumbianer nur 11 Jahre zur Schule gehen, sitze ich dort mit ganz vielen 16-17- Jährigen und komme mir meist ziemlich alt vor.  So ist der Unterricht in diesem Smeinar auch eher wie Schule, mit Gruppenarbeiten, Hausaufgaben, die man abgeben muss, Methodentraining (wie schreibe ich einen Essay?) Manchmal komme ich mir dementsprechen,d so wie die DOzentin mit uns umgeht, ein bisschen dumm und bevormundet vor, aber man merkt eben doch, dass die Abiturienten hier nach 11 Jahren eben längst noch nicht so weit sind wie bei uns nach 13 Jahren. Auf der anderen Seite ist es für mich ganz gut, weil man bestimmte Dinge in Kolumbien einfach ein bisschen anders macht und ich lerne, mich an der Uni hier besser zurechtzufinden.  Die Dozentin ist auf jeden Fall supernett, spricht ein bisschen deutsch und redet deshalb gern mal ein paar Minuten mit mir auf deutsch, und nimmt auch Rücksicht darauf, dass ich eben nicht soziale Arbeit studiere und auch nicht so viel Ahnung von kolumbianischer Geschichte habe.

Amazonia y otras selvas ecuatoriales – Amazonien und andere äquatoriale Wälder

Dieser Kurs ist unter Austauschstudenten so ziemlich der beliebteste, so dass wir uns  dienstags um 9 regelmäßig alle wiedertreffen.  Es geht um Fauna und Flora, Geschichte sowie soziale Problematiken. Das ist natürlich nicht der Grund, warum der Kurs so beliebt ist. Eigentlich ist die Vorlesung sogar meist recht langweilig. Das Interessante an der Sache ist die „salida al campo“, die Reise ins Feld sozusagen, sprich eine achttägige Tour nach Leticia, in den kolumbianischen Dschungel. Hier werden wir Vorträge hören, Wanderungen machen, und einige Tage in indigena-Dörfern wohnen.  Erst hatte ich ein bisschen gezweifelt,das ganze ist natürlich auch nicht billig, aber da ich damals in Ecuador schon nicht im Regenwald war, muss ich diese einzigartige Möglichkeit natürlich nutzen.  Außerdem hat der Professor gesagt, dass dies der einfachste Kurs ist, den wir je gemacht haben, da es nur drei Lektüren gibt, über die jeweils ein kurzer Test geschrieben wird, und wir am Ende einen kurzen Reisebericht abgeben müssen. Ich bin mal gespannt.

Historia Sociocultural de Colombia – Soziokulturelle kolumbianische Geschichte

Dieser Kurs hilft, meine Wissenslücken in den anderen Fächern zu stopfen. VOr allem ist er aber wirklich superinteressant. Der Professor ist so, wie man sich einen Professor vorstellt: Graue Haare und Bart, dicke Brille, unglaubliches Wissen, und ziemlich zerstreut. ER fängt an über ein Thema zu reden, ist am Ende des Satzes schon ganz woanders, und nach 15 Minuten, in denen er zigmal durch die verschiedenen Epochen gesprungen ist, guckt er verwirrt in die Runde und fragt, was er eigentlich erzählen wollte und wo wir stehengeblieben waren.  Auch in dem Kurs gibts unheimlich viel zu tun, eine Seitenlange Bibliographie die wir durcharbeiten müssen, aber es ist alles sehr interessant, von der Kolonialisierung bis zu den aktuellen Konflikten. Am Ende des Kurses schreiben wir einen Essay, und durften uns die Themen selbst aussuchen. Ich werde einen Essay schreiben über das Verhältnis indigener Sprachen zum Spanischen, vom Prozess der „Hispanisierung“ und die politischen Vorstellungen ,was mit den indigenen Sprachen passieren sollte, vn der Kolonialisierung bis zur Unabhängigkeit.  Der Vorteil an der Sache ist für mich, dass ich so diesen eigentlich leicht  fachfremden Kurs mit der Sprachwissenschaft verbinden kann.

Fundamentos de antropologia – Grundlagen der Anthropologie

Anthropologie ist in Deutschland eigentlich heutzutage ein ziemlich unbekanntes Fach.  In Kolumbien ist es aber ziemlich beliebt und auch angesehen, was verständlich ist, wenn man sich anschaut, wie viele verschiedene Völker und Kulturen hier zusammenleben und irgendwie miteinander auskommen müssen. Den Fundamentos-Kurs habe ich egentlich nur belegt, weil ich unbedingt einen Anthropologie-Kurs machen wollte und die meisten anderen aber diesen Grundlagen-Kurs als Voraussetzung angegeben hatten. Ich hatte eigentlich befürchtet, dass ein Grundlagen-Kurs ziemlich langweilig ist, aber es ist ein superspannender Kurs. Der Professor ist auch ziemlich zerstreut, mit Halbglatze, aber da wo noch Haare sind hat er eine graue lange Lockenmähne. Der Kurs läuft so ab, dass wir zur Vorbereitung durchschnittlich 100 Seiten wöchentlich lesen müssen, und wir im Kurs dann darüber diskutieren. Letzte Woche haben wir Alfred Hitchcocks das Fenster zum Hof geschaut und müssen jetzt einen Essay darüber schreiben, was dieser Film mit Anthropologie zu tun hat.  Auch dieser Kurs ist um 7 Uhr morgens, und dann 3 Stunden pausenlos, was meist, auch wenns interessant ist, eine ziemliche quälerei ist. Leider kann ich es mir nicht leisten, einzuschlafen, weil der Professor weiß, dass ich eine Austauschstudentin aus Deutschland bin, die auch noch Romanistik studiert, und er mich mindestens einmal pro Vorlesung anspricht, weil er irgendwas wissen will. Es geht ja zum Beispiel ziemlich oft um Kultur, und wir haben über Ordnung und System in unserer Gesellschaft geredet. Wir sollten uns einen Deutschen vorstellen, der in Kolumbien nach einer Bushaltestelle und einem Fahrplan fragt, und dann einen Kolumbianer, der in Deutschland auf eine dreispurige Stadtautobahn rennt, winkend und mit den Armen wedelnd de nnächsten Bus anhalten will,fragt ob der Bus dort und dort „vorbeikommt“, und anfängt, mit dem Busfahrer den Fahrpreis zu verhandeln.  Die Quintessenz war natürlich, auch wenn viele Deutsche das nicht einsehen wollen. dass Kolumbien nicht ungeordnet ist, sondern die von uns anfangs wahrgenommene „unordnung“ einfach eine andere Ordnung ist, die wir mit der Zeit verstehen lernenm, wenn wir uns darauf einlassen.  Viele Anthropologie- oder Kulturwissenschafts-Studenten werden jetzt natürlich sagen, das ist kalter Kaffee und sollte jedem klar sein, der überhaupt anfängt, so etwas zu studieren, aber trotzdem gibt es leider immer noch viel zu viele Europäer, die diese Art von Ordnung als „rückständig“ oder „minderwertig“ ansehen.

Salsa y Merengue

Der Titel ist selbsterkläred. Leider kann ich mir diese „artistische Werkstatt“, wie diese Art von Kursen heißen, nicht in Deutschland anrechnen lassen 🙂 Die Kolumbianer können sich das sehr wohl als Wahlfach anrechnen lassen. Salsa muss man natürlich lernen, wenn man in Kolumbien ist. Auch wenn ich in Deutschland schon Kusre gemacht habe, ist die kolumbianische Salsa ziemlich anders, als das, was man in Europas Tanzschulen meist lernt. Leider durfte ich auch nicht mit einem höheren Niveau einsteigen, da alle mit dem Anfängerkurs anfangen müssen, die diesen noch nicht dort an der Uni mit genau der Lehrerin gemacht haben. Anfangs war ich natürlich  leicht enttäuscht und habe schon befürchtet, das würde ziemlich langweilig, aber auch der kurs ist ziemlich anders als die in deutschen Tanzschulen. Die Lehrerin war eine der besten kolumbianischen Salsatänzerinnen und hat viele viele Turniere gewonnen. So wie das bei „Profis“ meist ist, legt sie sehr viel WErt auf Grundlagen. Deshalb wird im ersten Kurs nicht im Päärchen getanzt, sondern einzeln bzw. mit der ganzen GRuppe, aber jeder für sich alleine, und wir lernen Basissschritte von Salsa, Merengue, Mambo, Pachanga, Bugaloo, etc, alles, was mit Salsa zu tun hat. Dies ist ganz und gar nicht langweilig, in Deutschland haben wir nur „reinen“ salsa gelernt und auch nicht so viele Schritte, und hier basteln wir aus den Basisschritten die kompliziertesten Choreographien. Zudem legt die Lehrerin Wert auf den sportlichen Teil, in jeder Stunde machen wir erst ein ausführliches Aufwärm- und Fitnesstraining, sodass man nach den 2 Stunden (zweimal pro Woche) meist wirklich das Gefühl hat, Sport getrieben zu haben. Am Ende des Kurses, ca. Anfang November, gibts eine Aufführung, wo wir alle vor den anderen Kursen und „grupos institucionales“, also den Vorzeigegruppen der Uni, vortanzen müssen.

Soviel also zu meinen Kursen. Insgesamt kann man sagen, dass ich viel viel mehr lesen muss als in Deutschland und dafür vor allem wegen dem komplizierten Spanisch viel länger brauche. Dennoch sind alle Kurse sehr interessant und machen viel Spaß. sdass ich mich auch nicht durchringen konnte, einen Kurs wieder abzuwählen.





Wochenendtrip in den Sommer

26 08 2010

Das Klima in Bogotá ist nicht unbedingt das, was man sich vorstellt, wenn man als „unwissender“ Deutscher an Kolumbien denkt. Nichts zu sehen von tropischer Sonne und strahlend blauem Himmel. Wie gut aber, dass man in Kolumbien nicht etwa irgendeine Jahreszeit abwarten muss, sondern sich einfach für ein paar Stunden in einen Bus setzen kann, um die Sonne in vollen Zügen genießen zu können. Zu einem solchen „Blitzsommer“ wurde ich vor zwei Wochen (ja, ich weiß, ich hinke ein wenig hinterher mit Schreiben) von meinem Mitbewohner Juan Manuel eingeladen. Er kommt aus einem Dorf namens „Yaguará“ in der Provinz Huila, in tierra caliente, also „heißer Erde“, wie man hier sagt. An diesem Wochenende würde das jährliche große Dorffest stattfinden. Das lässt man sich natürlich nicht zweimal sagen und ich machte mich ans Koffer packen.  Die geplante Abfahrtszeit wurde, wie hier so üblich, noch dreimal verschoben. Zuerst wollten wir freitags nachmittags los, dann meldete Julián, mein anderer Mitbewohner, sich und seine Freundin auch noch an, hatte aber bis abends Vorlesung, sodass die Abfahrt auf abends verschoben wurde. Abends dann wurde ausgerechnet, dass wir ja dann mitten in der Nacht in Neiva, der nächstgelegenen Stadt ankommen würden und es um diese Zeit keine Transportmöglichkeiten ins Dorf gäbe. Statt Aufbruch gabs dann noch zwei Stündchen Schlaf bevor wir uns um halb zwei nachts auf den Weg zum Busterminal machten. Hier dann die nächste Verzögerung: Obwohl das Onlinesystem des Terminals uns mehrere Auswahlmöglichkeiten um diese Zeit angeboten hatte, fuhr keine der Busgesellschaften um die Zeit ab. Der nächstbeste, einigermaßen annehmbare Bus fuhr erst um halb fünf, sodass wir unsere Rucksäcke, Jacken und ähnliches auf dem kalten Boden ausbreiteten, und wie alle anderen Leute rundherum auch, in Etappen versuchten, ein bisschen zu schlafen bzw. „Wache“ zu halten.Nach einer reichlich kalten und unbequemen Busfahrt (die Klimaanlage ließ sich nicht ausschalten, 5 Unfälle gabs unterwegs zu bestauenen, und die Busfahrer freuten sich, mit „illegal“ am Straßenrand aufgegabelten Fahrgästen inklusive Babies, Hühnern, Kartoffelsäcken etc ein paar Pesos hinzuzuverdienen. ) kamen wir um zehn uhr morgens dann in Neiva an. Bei 30 Grad und geschätzten 90% Luftfeuchtigkeit mussten wir uns hier erstmal unserer Wollpullis und Fleecejacken entledigen, was 2 Stunden vorher noch ziemlich unvorstellbar gewesen wäre.  Nach einem kurzen „Snack“ – Kolumbianer können keine Mahlzeit auslassen und haben zudem ständig Angst, dass ich vom Fleisch falle, weil ich ja nur sowenig essen würde wie eine Katze , weil ja z.B.  ein Marmeladenbrot kein anständiges Frühstück ist – geht es im „colectivo“, im Sammeltaxi, weiter nach Yaguará. Eine Stunde Hitze, Ruckeln, Militärkontrollen und Landschaft bestauenen später kommen wir an und werden von Juan Manuels Mama gleich mit einem frisch gepressten Saft begrüßt. Bald darauf gibts auch schon Mittagessen, ich kämpfe mit Reis, Bohnen, Fleisch, Yucca, es ist aber alles sehr sehr lecker.

Den Tag verbringen wir mit einem kleinen Rundgang durchs Dorf, einem Besuch auf dem „Dorfplatz“, wo die Party schon in vollem Gang ist und gerade die Kandidatinnen zur „Reina“, zur Schönheitskönigin, im Bikini auf der Bühne präsentiert werden. Danach gehts runter zum See. Der See ist ein riesiger Stausee, der die ganze Region mit Energie versorgt. Es sieht aber alles sehr natürlich aus, kleine Fischerböötchen dümpeln im Hafen und „lanchas“, Fähren in Form von langen Holzbooten mit kleinem Motor bringen die Leute (und natürlich Tiere, Lebensmittel, und was sonst noch so mit muss), von einer Seite des Sees zur anderen. Auch wir wagen eine Überfahrt, genießen auf der anderen Seite die Natur, ´schlendern in Richtung des nächsten Dorfes, begegnen einem sprechenden Papagei (seine Lieblingsworte waren : quiere cacao? wollen Sie Kakao?) , kämpfen in der Abenddämmerung mit sancudos (Mücken), dank  den Wasserspielchen des im Boot vor mir sitzenden Julians werde ich einmal komplett geduscht, aber das ist eine willkommene Abkühlung. Zurück am Haus wartet auch schon wieder das Abendessen auf uns: Es gibt Tamales, selbstgemacht von Juan Manuels Mama und im großen Topf auf dem Holfzfeuer stundenlang gegart.  Tamales sind ein ich glaube ich großen Teilen Lateinamerikas sehr typisches Gericht, es handelt sich um mit Fleisch, Gemüse, oder ähnlichem gefüllten Maisteig, der, in ein Bananenblatt gewickelt dann gedämpft wird. Äußerst lecker, aber ich bin eigentlich vorher schon satt und muss einen großen Teil den Jungs überlassen. Juan Manuels Mama hat nicht nur für uns Tamales zubereitet, sondern über 100 Stück, die sie dann verkauft hat

Trotz der so gut wie schlaflosen Nacht lassen wir uns natürlich auch das Dorffest nicht entgehen.  Es gibt Livemusik, das ganze Dorf ist auf den Beinen, der große Park ist rappelvoll, es wird Salsa, Vallenato, Merengue, Reggaeton, Cumbia, und sogar „musica electronica“ gespielt und von den kleinsten Babies bis zu den ältesten Omis tanzen alle alles  mit. Dazu gibts „Doble Anis“, Doppelten Anisschnaps, der sehr lecker, aber auch sehr schwer abzulehnen ist, ständig wird mir wieder ein Becher unter die Nase gehalten, schließlich bin ich wohl die erste Ausländerin, die das Dorf je gesehen hat, und alle 5 Minuten werde ich weiteren Onkels, Tanten, Freunden, Cousins und Cousinen Juan Manuels vorgestellt. Die Rumba geht bis halb fünf morgens. Todmüde schleppen wir uns nach Hause und fallen ins Bett, wenn auch nur für ein paar Stunden.

Am Sonntag ist dann Entspannung angesagt. Erst wird ausgiebig gefrühstückt, (nein keine Marmeladenbrote, sondern „richtig“, mit Ei und Arepa, wie es sich in Kolumbien gehört), dann mache ich mich mit Julian und Carolina auf dem Weg zum See. Rundherum ist heute „Markt“ vom Dorffest, überall wird verkauft, und die beiden haben selbstgenähte Taschen mitgebracht, die sie verkaufen wollen. Nach einem kleinen Streit mit der Besitzerin eines mobilen Essensstands, die nichts besseres zu tun hatte als ihre Bude genau vor unserer gerade liebevoll aufgebauten und dekorierten Taschenkonstruktion zu setzen, blieb uns nur noch ein Platz mitten in der Sonne. Da mich das Klima und die schlaflosen Nächte ziemlich geschafft haben, mache ich mich bald nochmal auf den Weg zum Haus, lege mich in die Hängematte und schlafe sofort ein. Urlaub! Abends dann ziehen wir noch einmal mit dem Taschenstand los, diesmal direkt neben die Miss-Bikini-Bühne, und hier wird dann auch der einzige Verkauf des Tages getätigt.  Ein bisschen „Trinkgeld“ für die beiden für die wiederum bevorstehende nächste Partynacht. Die wird wieder genauso lang wie die letzte, diesmal nehmen wir uns sogar vor, bis zur „alborada“ wachzubleiben. Die „alborada “ ist ein weiterer Programmpunkt dieser fiestas: Bis mindestens 4 Uhr morgens spielt die Musik, und um 5 muss das Dorf (was eh nich schläft)  natürlich auch wieder geweckt werden. Deshalb ziehen dann Orchester durch die Straßen, denen sich die ganz harten, noch wachen Rumberos anschließen und ordentlich Krach machen, damit ja niemand weiterschläft. Wir halten natürlich nicht durch, gehen um 4 nach hause, und wollen eigentlich nur ein Nickerchen machen, um dann wieder aufzustehen, werden aber natürlich erst wieder wach, als die „alborada“ an unserem Haus vorbeizieht. Bis ich realisiert habe, was los ist, meine Flipflops gefunden und zur Haustür gewankt war, war natürlich alles schon wieder vorbei.

Am Montag, Feiertag in Kolumbien, können wir natürlich auch nicht wirklich lange schlafen, weil wir uns auf denRückweg nach Bogotá machen mussten und schon Tickets für einen Bus in Neiva am Mittag gekauft hatten. So schaffen wir es nicht mehr, zum vielgepriesenen „Rio Magdalena“ zu fahren, um uns dort zu baden bzw. an einer Art Lianen bei einem Wasserfall von einer Seite zur anderen zu schaukeln und uns dann ins Wasser fallen zu lassen. Das wäre sicher ein Erlebnis gewesen. Naja, das nächste Mal. Beinahe hätten wir noch dortbleiben müssen, weil einfach keine „colectivos“ vorbeikamen, die uns nach Neiva hätten bringen können, wir hätten beinahe den Bus verpasst wenn nicht ein Onkel sich bereit erklärt hätte, uns in seinem Jeep zum Busterminal zu  fahren.

Im Endeffekt war es ein sehr, sehr gelungenes Wochenende. Der Klimawechsel tat gut, wir konnten im Prinzip sogar die ganze Nacht im Top herumlaufen. Das Leben dort ist dementsprechend auch ganz anders als in Bogotá: Es spielt sich einfach alles auf der Straße und draußen ab. Die Häuser sind so konstruiert, dass die Küche auf einer Art Terasse hinter dem eigentlichen Haus liegt, alle haben dahinter einen kleinen Hof oder Garten, und dort hält man sich den ganzen Tag auf. Die Haustür, zur Straße, steht immer auf, und es kommen auch ständig Tanten, Geschwister, Freunde, Bekannte, oder auch Unbekannte hereinspaziert, um mitzuessen, mitzukochen, zu quatschen oder auch zu fegen. Egal wo man ist und wer dort ist, mindestens einer rennt ständig mit dem Besen umher, da der ganze Staub von der Straße oder aus dem Hof ja nichts in der Küche oder im Haus zu suchen hat.  Das ist schon ein lustiger Anblick, stellt euch vor, bei euch kommt einfach die Tante vorbei, ins Haus, ohne zu klingeln, schnappt sich den nächsten Besen und fängt an die Terasse zu fegen.  Das Haupttransportmittel in den Dörfern dort sind jegliche vorstellbare Formen von Motorrädern oder Rollern. Kein einziges würde wahrscheinlich in Deutschland durch den Tüv kommen, niemand hat einen Führerschein, Helme oder Schutzkleidung gibts sowieso nicht, und ja, auf ein kleines Motorrad passt problemlos eine ganze Familie: Mama, Papa, und zwei Kleinkinder, in Shorts, Minirock, Flipflops oder barfuß, und ab gehts mit Vollgas um die Ecke und durchs nächste Schlagloch.  Es war auf jeden Fall wieder ein sehr schönes Beispiel, wie vielfältig dieses Land ist und wie unterschiedlich das Leben in den verschiedenen Regionen sein kann 🙂





La Nacho – Studieren auf kolumbianisch

13 08 2010

Eins gleich vorneweg: Nacho ist in diesem Fall nichts zum Essen. „La Nacho“ ist der liebevolle Spitzname meiner Uni, der „Universidad Nacional de Colombia“. Folgerichtig wurden wir, die „Besuchsstudenten“, wie wir hier heißen, jüngst genauso liebvoll „internachos“ getauft.  La Nacho ist anders. Anders als die Uni Mannheim, aber auch anders als die meisten anderen Unis in Kolumbien. La Nacho ist nämlich eine staatliche Universität, von denen es hier nicht so viele gibt. Im Gegensatz zu den zahlreichen Privatunis, für die man entweder ziemlich reiche Eltern braucht oder einen dicken Kredit aufnehmen muss, werden die Studiengebühren, die jeder einzelne zahlen muss, hier individuell nach dem „estrato económico“, also sozusagen der wirtschaftlichen Schicht jedes Einzelnen berechnet. Dies ist leider meist immer noch mehr, als wir in Deutschland an Studiengebühren zahlen, und das, obwohl man in Kolumbien nur einen Bruchteil verdient. Mein Mitbwohner verdient als „hiwi“ an unserer Uni z.B. ungefähr 2 Euro die Stunde. Weiterhin reserviert die Uni jährlich eine bestimmte Anzahl Studienplätze für die besten Schulabsolventen aus armen Gegenden und aus indigenen Bevölkerungsgruppen.  Für die meisten Kolumbianer ist die Nacho somit die einzige Chance, überhaupt studieren zu können. Trotzdem ist die Nacho , vom wissenschaftlichen Niveau her, exzellent und keineswegs  schlechter als die prestigeträchtigen Privatunis. Dies alles führt dazu, dass sich jedes Jahr Tausende Schulabsolventen den Aufnahmeprüfungen stellen und nur ein kleiner Teil von ihnen einen Studienplatz erhält. Die meisten, die es dann schaffen, lieben ihre Uni über alles und vielen merkt man an, wie dankbar sie für diese Möglichkeit sind.

Noch etwas zeichnet die Nacho aus: Schon immer wurde hier das kritische Denken, das ständige Hinterfragen gefördert, da diese Uni eben nicht irgendwelchen wirtschaftlichen oder finanziellen Interessen gerecht werden muss. Das Aufeinandertreffen unterschiedlichster „Schichten“ und Bevölkerungsgruppen führt zu einem aktiven, interessanten politischen Dialog. Aber, und jetzt kommt das große Aber, dass ich mir schon ungefähr von jedem Kolumbianer anhören musste, mit dem ich über mein Auslandssemester gesprochen habe. Diese Charakteristik birgt nämlich auch einige Probleme, denn das kritische Denken wird von einigen Studentengruppen allzu ernst genommen, viele sehr radikake, vor allem linkgsgerichtete Gruppierungen können sich auf dem Campus,den die Polizei im Normalfall nicht betreten darf, frei austoben. Zwar ist dies nur ein winzig kleiner Teil der Studenten, sie prägen das Bild von der Nacho aber sowohl auf dem Campus als auch außerhalb deutlich. Jedes einzelne Gebäude auf dem Campus zieren Che-Guevara-Bilder, Aufrufe zur „Revolution“, Beschimpfungen des Präsidenten, des „Systems“, des Kapitalismus und sonstige Sprüche. Hin und wieder schaffen diese Gruppen es, den ganzen normalen Betrieb der Uni durch ihre Proteste aufzuhalten, sodass die Uni für einige Stunden oder Tage gesperrt werden muss. Deswegen weiß ich übrigens auch noch nicht, wann mein Semester eigentlich zuende ist, weil man das hier eben nie wissen kann.

Im Moment befinden wir uns hier gerade in einer besonders heiklen Phase: Vor einer Woche hat der neue Präsident, Santos, sein Amt angetreten und dieser ist bei den Studenten der Nacho alles andere als beliebt. Am Tag vor dem Amtsantritt sollte aus Sicherheitsgründen eigentlich die ganze Uni gesperrt werden. Sie haben sie dann doch offen gelassen, warum weiß ich nicht, und es ist Gott sei Dank auch nichts passiert. An dieser Stelle nur ganz kurz etwas zur Politik: Juan Manuel Santos ist Parteifreund und Nachfolger von Uribe, der das Land die letzten 8 Jahre lang regiert hat. Ihm haben die Kolumbianer zu verdanken, und das erkennen die meisten auch an, dass das Land deutlich sicherer geworden ist. Die Farc ist deutlich geschwächt, die großen Drogenkartelle aufgebrochen.  Die dem ganzen zugrundeliegenden Konflikte sind aber keineswegs gelöst und vor allem die brutalen militärischen Mittel, mit denen diese „Sicherheit“ erreicht wurde, stoßen auf harsche Kritik in der Gesellschaft, vor allem eben unter den Studenten. Der Amtsantritt von Santos wird zudem von einem vor kurzem ans Licht gekommenen Skandal überschattet, den er, als damaliger Verteidigungsminister, mit zu verantworten hat: Es geht um die „Falsos positivos“, die falschen Erfolge oder auch „falsch positiven“,  auf Spanisch ist es etwas doppeldeutig. Ich habe bei dem Wort zunächst an statistische Berechnungen der Wahrscheinlichkeit eines falsch positiven HIV-Tests gedacht, wie wir sie im Mathe-LK vor ein paar Jahren angestellt haben, aber es geht um vom Militär getötete Zivilisten, die als getötete Rebellen, und somit als „Erfolge“ ausgegeben wurden. Hier ein Artikel zum Thema:  Junge Männer mussten für die Statistik sterben

Dies ist also ein top-aktuelles Thema, und die vor dem Semester frisch gestrichenen Mauern der Gebäude um den Hauptplatz der Uni, der bezeichnenderweise nur Plaza Ché genannt wird, haben schon wieder sehr darunter gelitten. Gestern wurde ich erstmals Zeugin einer solchen Aktion. Ich war ja schon mit den ganzen Graffitis und der Situation an sich vertraut, aber irgendwie bin ich doch leicht zusammengezuckt, als ich gestern nichtsahnend in Richtung Ausgang lief und mich auf einmal neben einer Gruppe in rote Tücher verhüllter Studenten wiederfand, die am hellichten Tag und ohne großes Interesse der vorbeilaufenden kolumbianischen Studenten  oder Dozenten das Porträt irgendeines mir unbekannten Revolutionärs an die strahlend weiße Mauer der Zentralbibliothek malten. Nur ein paar Meter weiter begegnete ich dann weiteren „encapuchados“, den „vermummten“. Das Wort kommt eigentlich von Kapuze, leider gibt es auf Deutsch keine passende Übersetzung. (Ein spanischer Austauschstudent mit einem Kapuzenpulli wird daher jeden Tag äußerst genau von den Sicherheitsbeamten am Eingang unter die Lupe genommen…) Vermummen tun sie sich allerdings auf viele Arten und Weisen, entweder mit Kapuze und Schal, oder mit Skimaske und Sonnenbrille, oder eben mit roten Tüchern, oder was sonst noch aufzutreiben ist. Ihre Graffitis nennen sie „EncapuchARTE“, also Kapuzenkunst. Hier ein Beispiel. So ungefähr sehen fast alle GEbäude meiner Uni aus:  (Leider klappt das Hochladen gerade nicht, sobald es wieder klappt, ergänze ich Fotos!)

So, genug erstmal von Politik und politischen Zwischenfällen, die meiste Zeit studiere ich hier ja „ganz normal“, „ganz normal“ ist aber auch anders als in Mannheim. Zunächst einmal zu den äußerllichen Unterschieden. Meine Uni hier ist ein riesiger, eingezäunter Campus, eine kleine Stadt mitten in der Stadt, die oft auch „ciudad blanca“, die weiße Stadt genannt wird wegen der weißen (naja, wie ihr eben gelesen habt größtenteils aber nicht mehr ganz so weißen) Gebäude. Am Einführungstag wurden wir mit mehreren Bussen (!) über den „Ring“, der Straße, die einmal rund führt, rundgefahren. Man könnte stundenlang über den Campus laufen, ohne irgendwo zweimal vorbeizukommen. Am Anfang haben wir uns dementsprechend auch oft ein wenig verlaufen, mittlerweile kenne ich aber den kürzesten Weg zu meiner Fakultät und alles, was darum herum liegt. Aber eben längst nicht den ganzen Campus, den werde ich wohl auch nie kennen lernen. Der größte Teil des Campus besteht aus Wiesen und Bäumen, es ist also praktisch ein Park direkt vor meiner Haustüre 🙂 Bei gutem Wetter liegen auch überall Studenten unter den Bäumen und lesen, diskutieren oder schlafen. Wenn man ein bisschen über den Campus läuft und die Augen aufhält, entdeckt man einiges, was man eigentlich nicht in einer Uni erwartet: Eine Fahrradwerkstadt, eine kleine Kapelle, ein Fußballstadion, einen Konzertsaal, eine Kleintierklinik, ein Maisfeld, und hier und da Kühe, Schafe, Schweine und Pferde. Was die da machen, habe ich am Anfang nicht ganz verstanden, aber jetzt weiß ich, dass es eine landwirtschaftliche Fakultät gibt, und der Campus unter anderem auch „Versuchsbauernhof“ ist. Hier und da sieht oder hört man am Wegesrand oder unter ein paar Bäumen Musikstudenten, die aus Mangel an Übungsräumen in ihrer Fakultät (oder vielleicht auch wegen ihrer intoleranten Mitbewohner oder Nachbarn ) das Üben, vorzugsweise von Tonleitern, auf draußen verlegt haben. Am Anfang dachte ich ja, die wollen damit Geld verdienen, aber die meisten spielen wirklich nur Tonleitern rauf und runter.

In der Uni kann man auch alles kaufen. Obwohl es laut meinem Mitbewohner seit diesem Semester eigentlich verboten ist, dass die Studenten auf dem Campus irgendwas verkaufen, verwandeln sich die „Hauptwege“, sobald um 9 uhr die ersten Vorlesungen schon wieder vorbei sind, in kleine Märkte. Von Süßigkeiten über Sandwiches, von Schreibutensilien und Schmuck über DVDs  (von Filmen, die noch gar nicht ins Kino gekommen sind selbstverständlich) bis hin zu Minuten kann man hier alles ersteigern. (Warum eigentlich alle Kolumbianer ständig für 200 pesos Minuten kaufen oder verkaufen, ist für die meisten Nicht-Kolumbianer ein Rätsel. Es lässt sich allerdings vor Ort recht leicht lösen: Es handelt sich schlicht und einfach um Handyminuten. Ein Verkäufer bringt 5 Handys mit, für jeden Anbieter eins, kettet sie am besten an irgendeinem Baum an, und wenn man selbst grad keine“ minutos“ mehr hat auf seinem Handy oder jemanden anrufen muss, der einen anderen Anbieter hat, wendet man sich einfach an einen solchen Minutenverkäufer. )

Ein weiterer Unterschied ist, dass es keine Mensa gibt, wie wir sie bei uns kennen. Verhungern muss man aber trotzdem nicht. Eine Möglichkeit sind natürlich die Snacks, die wie eben beschrieben von anderen Studenten angeboten werden. Alternativ gibts in jedem GEbäude mindestens eine Cafeteria, wo man für wenig Geld (z.B. 75 Cent für einen halben Liter frisch gepressten Saft) Geträbke, Snacks, Gebäck oder zum Teil auch Mittagsmenü kaufen kann. Wem die Auswahl nicht reicht, kann auch kurz den Campus verlassen, vor jedem derbewachten Eingängen stehen nämlich tagaus, tagein reihenweise Essensbuden, vom Hotdog-Stand über die Obstbar bis hin zum Pizzamobil. Oder auch traditionell kolumbianische „arepas“ mit Käse oder Ei, oder Reis mit täglich wechselnder Beilage in der Plastikschale oder oder oder… Wer davon immer noch nicht satt wird, geht einfach über eine der Fußgängerbrücken, zur anderen Seite der Straße, denn in der der Uni angrenzenden Vierteln findet man ungefähr an jeder Ecke ein Restaurant mit günstigem (5000 pesos = 2 Euro) Zwei-Gänge-Mittagsmenü. Für mich ist natürlich auch Option 5 interessant: nach Hause gehen, da ich nachmittags eh fast nie Unterricht habe und nur 5 Fußminuten von der Uni entfernt wohne. Für das Geld, für das man in der Uni aber satt wird, kann ich alleine kaum kochen, und außerdem muss man die ganzen leckeren Sachen ja auch alle durchprobieren.

Blöd am ständigen Hin- und Herlaufen ist allerdings, dass man jedesmal wieder durch die Eingangskontrolle muss. Den Campus kann man hier nämlich nicht, wie in Deutschland, einfach betreten, weil er von privaten Sicherheitskräften in Uniform bewacht wird. Der gängige Spruch am Morgen lautet „Carné a la mano, bolsos abiertos“, also Ausweis zur Hand, Taschen auf, da nur in die Uni darf, wer sich als Student ausweist und keine „illegalen GEgenstände“ mit hineinführt. Vielen Studenten ist dies aber zu blöd, rechtlich sind sie nicht verpflichtet, ihre Taschen zu öffnen, das wissen sie auch, und deshalb laufen einige einfach stumm oder auch mit einem bösen Kommentar vorbei, sodass ich mich oft frage, was das ganze eigentlich soll. Verstehen kann ich es aber schon irgendwie, richtige Respektpersonen sind diese Sicherheitskräfte in ihren lächerlichen Uniformen irgendwie auch nicht, vor allem, wenn sie regelmäßig mehr damit beschäftigt sind, den Studentinnen hinterherzupfeifen oder blonden Austauschstudentinnen „good morning lady“ entgegenzurufen als ihrer Arbeit nachzugehen.

So, jetzt bin ich leider immer noch nicht dazu gekommen, etwas über meine Vorlesungen und das eigentliche Studieren zu berichten. Das werde ich dann wohl ein anderes Mal nachholen. Bis dahin viel Spaß beim Lesen und ein schönes Wochenende!